MÄRCHENBALLADEN

ein Märchenvogel aus Südamerika
Quetzal

WARUM MÄRCHENBALLADEN?

Es macht natürlich einfach Spaß, mir Kindern zu kuscheln und ihnen vorzulesen.

 

Aber warum gerade Märchenballaden?

 

Zum einen sind Märchen für Kinder von enormer Bedeutung für ihre seelische Reifung, wie viele bekannte Kinderpsychologen immer wieder beteuern, zum anderen ist die lyrische Form der Ballade in vielerlei Hinsicht dazu angetan, auch die intellektuelle Entwicklung der Kinder zu unterstützen.

In Klaudia Diekmanns MÄRCHENBALLADEN werden sprachliche Strukturen und Ausdrücke verwendet, die weit über unsere Alltagssprache hinausgehen. Zusammen mit dem Reimschema verankern sie sich ohne Mühe im Gedächtnis der Lesenden. (Wir erfahren es immer wieder, dass ältere Menschen noch im hohen Alter in der Lage sind, lange Gedichte auswendig aufzusagen, die sie in jungen Jahren gelernt haben.)

Beim Lesen der MÄRCHENBALLADEN werden also die Merkfähigkeit trainiert, der Wortschatz erweitert und eher komplexere Satzkonstruktionen mühelos eingeübt.

(Der Zusammenhang von Sprache und Denken ist wissenschaftlich schon vor langer Zeit bewiesen worden.)

Und schließlich ist da noch der besondere Rhythmus der Ballade, der bei der Ausbildung verschiedener Zonen im Gehirn von großem Vorteil ist. Forscher entdeckten, dass die Fähigkeit, sich zum Rhythmus von Sprache synchron zu bewegen, über den künftigen Spracherwerb von Kindern Voraussagen machen kann.

Dazu verbindet rhythmisches Sprechen beide Gehirnhälften miteinander. Und je besser die Koordination unserer Hemisphären funktioniert, desto größer ist unsere Leistungsfähigkeit insgesamt, nicht nur die intellektuelle.

 

Und jetzt viel Spaß beim Stöbern! 

 

Klaudia Diekmann

Infos zum pädagogischen Nutzen von MÄRCHEN

https://www.elternwissen.com/familienleben/basteln-mit-kindern/art/tipp/wie-maerchen-die-entwicklung-ihres-kindes-unterstuetzen.html

Bruno Bettelheim:KINDER BRAUCHEN MÄRCHEN

http://www.br-online.de/jugend/izi/deutsch/publikation/televizion/25-2012-2/vomOrde.pdf

MÄRCHEN – „SUPERDOPING FÜR KINDERGEHIRNE"

So nennt der Hirnforscher Gerald Hüther die ERZÄHLTEN oder VORGELESENEN Märchen. Er schreibt: „Stellen Sie sich vor, es gäbe ein Zaubermittel, das Ihr Kind aufmerksam zuhören lässt, das gleichzeitig seine Phantasie beflügelt und seinen Sprachschatz erweitert, das es darüber hinaus auch noch befähigt, sich in andere Menschen hinein zu versetzen und seine Gefühle zu teilen, das gleichzeitig auch noch sein Vertrauen stärkt und es mit Mut und Zuversicht in die Zukunft schauen lässt. Dieses Superdoping für Kindergehirne gibt es. Dieses unbezahlbare Zaubermittel sind die Märchen, die wir unseren Kindern erzählen oder vorlesen. Märchenstunden sind die höchste Form des Unterrichtens.“

Noch eine weitere Meinung sei angeführt. Brigitta Schieder zählt in ihrer guten Märchensammlung „Erzähl mir doch ein Märchen“ folgende Basiskompetenzen auf, welche durch gesprochene Märchen bei Kindern gestärkt werden können: Sprachkompetenz, soziale, ethische und religiöse Wertekompetenz, Phantasie- und Kreativitätskompetenz, Umwelt-und Wahrnehmungskompetenz.

Als langjährige Lehrerin an der Grundschule, als Mutter, als Märchenerzählerin und als gründliche Kennerin weiterer Fachliteratur stimme ich beiden Autoren voll zu. Kinder, die oft Märchen hören (nicht sehen!) werden bessere Schüler und mutigere, sozialere und glücklichere Menschen.

Aber die GRAUSAMKEIT der Volksmärchen?
Nun, Volksmärchen erzählen von der Welt so wie sie ist, mit all ihrem Bösen. Und dieses Beängstigende erlebt das Kind ja auch bei den Menschen, die es liebt und es erlebt es auch in seinem eigenen Inneren, in seinen eigenen Schattenseiten. Genau hier können die Märchen helfen! Sie machen dem Kind KEINE Angst, im Gegenteil, sie helfen ihm, seine Ängste zu bewältigen! Mit den Bildern der Märchen kann es Ängste greifbar fassen und sie nach außen bringen – immer vorausgesetzt, die Märchen werden ihm von vertrauten Menschen zugesprochen und ein Kind wird nicht mit Filmen oder Videos allein gelassen, denn gesehene Fernsehbilder brennen sich ein! - Ein Beispiel für eine solche Angstbewältigung mit „Hänsel und Gretel“: Jedes Kind übertritt auch einmal Verbote – hier wird ihm ohne moralische Belehrung im Bild gezeigt, wohin das führen kann. Jedes Kind erlebt seine liebe Mutter manchmal auch wie eine übermächtig böse Hexe – hier hört es, dass man mit der fertig werden kann. Jedes Kind hat Verlassenheitsängste – hier wird ihm versichert, dass es aus eigener Kraft Gefahren bewältigen und mit Schätzen wieder nach Hause finden kann.

Kinderseelen haben zudem einen kostbaren FILTER: Zuhörend stellt sich ein Kind nur bildlich vor, was ihm zuträglich ist. Hören wir Erwachsene etwa, dass Rumpelstilzchen sich mitten entzwei reißt, sehen wir Blut fließen, Eingeweide herausquellen und verspüren Schmerzen. Für das Kind dagegen ist der Vorgang so etwas wie das Zerreißen eines Papieres und es ist hoch befriedigt, dass das Rumpelstilzchen jetzt tot ist und kein Unheil mehr anrichten kann. Auch kann eine grausame Stelle beiläufig erzählt und so gemildert werden.

AUSNAHMEN: Untere Grenze des Märchenalters ist in der Regel vier Jahre. – Kein Märchen mit schlechtem Ausgang erzählen wie z. B. „Frau Trude“ (KHM Grimm)! – Nicht jedes Märchen eignet sich für jedes Alter und für jedes Kind! - Wenn ein Kind ein Märchen ablehnt – es gibt genügend andere! - Wenn ein Kind auf einem Gebiet besondere Ängste hat, dann sollte man es hier nicht mit einem Märchen „zwangstherapieren“ wollen. –Wenn Sie selbst ein Märchen wegen seiner Grausamkeit innerlich ablehnen, dann sollten Sie es auf keinen Fall vorlesen, denn diese Angst und Ablehnung werden sich auf Ihr Kind übertragen. Doch lohnt es dann, sich selbst zu fragen: Was hat diese Ablehnung mit meinen eigenen, noch nicht angeschauten Schattenseiten zu tun?

FAZIT: Zum Thema wie auch zur praktischen Umsetzung wäre noch viel zu sagen. Dennoch gilt schon hier: „Wer Kindern die Chance nimmt, sich mit ängstigenden Inhalten auseinander zu setzen, der nimmt ihnen die Möglichkeit der Realitätsbewältigung und psychischer Stabilität, der verhindert das schrittweise Einverleiben der Angst, der macht sie in gewisser Weise schutzlos. Kinder brauchen Märchen mit allem Drum und Dran, nicht die braven, gereinigten Fassungen.“ (Helga Zitzlsperger, Professorin für Didaktik) Ja, Volksmärchen machen unseren Kindern Mut, weil sie ihnen die Gewissheit geben, dass das Böse nie das letzte Wort hat, dass ihnen in Situationen der Not und Gefahr geholfen wird und dass es gut auch mit ihnen weiter geht. Märchen können unseren Kindern das grundlegende Vertrauen vermitteln, dass sie im großen Netz des Lebens geborgen sind.